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Ich liebe den Duft von Vanille

Ist doch nichts besonderes werdet Ihr jetzt denken. Ihr wißt sicher, wo die Vanilla planifolia beheimatet ist - bestimmt, denn Ihr seid auf einem Aromatherapieblog gelandet.
So ist es doch etwas besonderes, wenn ich den Duft dieser Pflanze so liebe - sie wächst weder in meinem natürlichen noch in meinem jetztigen Lebensraum.
Gestatten, mein Name ist Max und ich gehöre der Familie der Canideae, der Gattung Canis lupus familiaris und der Rasse der Sibirian Huskies an. Kurz, ich bin ein waschechter, nordischer Schlittenhund.
Jetzt werdet Ihr Euch fragen, wie ich an die Vanille komme. Ich werde Euch meine Geschichte erzählen.
Geboren wurde ich im Sommer 2000 zusammen mit vier Schwestern und einem Bruder. Die ersten Monate unseres Lebens waren nicht sehr schön und sind ausschlaggebend gewesen für unser weiteres Leben. Irgendwann im Spätwinter wurden wir dort weg geholt und kamen zu vielen anderen nordischen Hunden auf einen Hof. Die Eingewöhnung war schwierig und zudem wurden wir auch nach und nach weniger. Es kamen Menschen, die vor allem erstmal die Schwestern mitnahmen.

Und eines Tages standen sie da, meine neuen Futtersacköffner und ein kleines Huskymädchen. Ich sag Euch, die war vielleicht pummelig. Sie war ja ganz nett und auch unheimlich lieb, aber die beiden Menschen - ne, ehrlich die waren nichts für mich. Die Frau ging ja noch, aber der Junge - oh nein, ich geh nicht mit. Ich verkriech mich und dann sollen sie doch ohne mich heimfahren.
Ihr könnt Euch sicher vorstellen, wie es weiterging. Irgendwann hatten sie mich eingefangen, an der Leine ins Auto verfrachtet und so kam ich in mein neues Zuhause. Den ersten Schreck bekam ich gleich bei der Ankunft dort. Da lebte noch ein Mann - oh nein, wo kann ich mich verstecken? Hilfe !!! Einzige Möglichkeit, ab unter das Bett.
Dort blieb ich liegen, traute mich nicht raus, auch nicht zum Fressen oder gar zum Trinken. Eher würde ich verhungern und verdursten, als zu dem Mann da draußen gehen - nie!
Das Huskymädchen kam immer mal schauen und versuchte mich zu locken. Nein, ich gehe nicht. Schließlich hat die Frau mir einen Napf mit Wasser unters Bett geschoben und später auch einen Napf mit Futter.
Leider haben auch Huskies einen Verdauungstrakt - Ihr könnt Euch vorstellen, was jetzt kommt. Ich musste unbedingt raus. Wo war der Mann??? Ganz vorsichtig, Millimeter um Millimeter kroch ich unter dem Bett hervor. Svenja, das Huskymädchen stupste mich immer wieder aufmunternd an - oh Leute, hatte ich eine Angst. Schließlich war ich ganz unter dem Versteck hervorgekrochen und wurde, schwupps, an die Leine genommen - Gassi gehen. Was war das nun wieder? Svenja war zwar dabei, aber es war absolut fürchterlich. Lärm, Autos, Fahrräder und sooo viel Männer. Das kannte ich alles nicht und wollte nur wieder in mein Versteck, so unwohl hab ich mich gefühlt.

Am 4. Tag in meinem neuen Rudel hab ich die Chance genutzt und bin abgehauen. In so einer Welt wollte und konnte ich nicht leben. Ich hatte so entsetzliche Angst und allein konnte es mir nur besser gehen. Dachte ich jedenfalls. Das es ein Irrtum war, sollte ich sehr schnell merken.
Meine Futtersacköffner haben mich gesucht und ich habe sie wohl gesehen. Aber zurück wollte ich nicht. Ich hatte mich auf einem Stück Brachland verkrochen. Dort gab es Schrebergärten, die mir Schutz boten vor der Kälte und dem Schnee. Es gab noch einen Bach, Mäuse und einige Firmen, deren Mitarbeiter mich mit Wurstbroten versorgten. So war mein Überleben gesichert.
Es sollte nach 5 Tagen ausgerechnet der Mann sein, der mich wieder einfing und zurück zu meinem Rudel brachte.

So, da war ich also wieder bei meinem neuen Rudel. Ehrlich gesagt, war ich froh, denn dort war es wenigstens warm und die Svenja war auch da zum Kuscheln. So ganz allein war es auch nicht wirklich schön.
Es verging eine Weile und ich gewöhnte ich mich an den regelmäßigen Tagesablauf, aber nicht an die beiden Männer im Rudel. Der jüngere der Zwei war mir nicht ganz so suspekt, wie der ältere. Doch ich ging beiden möglichst aus dem Weg. Nicht, dass die Zwei es nicht versucht hätten, aber meine Angst war riesig und ich konnte nichts dagegen tun. Auch diese komischen Tropfen, die ich viermal am Tag bekam haben nicht wirklich geholfen. Aber immerhin bewegte ich mich schon allein im Haus und schlief auch in meinem Korb und nicht mehr unter dem Bett.

Manchmal hat es da auch ganz arg merkwürdig gerochen kann ich Euch sagen, also echt nichts für sensible Hundenasen. So frisch und kribbelig in der Nase - richtig zum Niesen. Und dann wieder ekelig krautig und bitter und herb - brrrr, fürchterlich. Ich konnte aber nicht nachschauen, wo dieser Geruch her kam, denn ich ging die Treppe nicht nach oben. Treppen nach oben sind schlecht, dass wusste ich noch aus Erfahrung.
Und dann kam eines Tages ein unwiderstehlicher Duft in meine Nase. So süß und warm und kuschelig, so richtig gut. Ich schnufte, um zu erkunden wo dieser Duft her kam und brauchte nicht lange schnuppern - er kam aus dem Raum in dem auch unsere Fressnäpfe standen - der Küche. Vorsichtig schlich ich mich dorthin und fühlte mich so wohl dabei, wie schon lange nicht. Der Duft erinnerte mich an das Kuscheln mit meinen Geschwistern, an deren Nähe und ich hatte das Gefühl, es könne mir gar nichts passieren. In der Küche angekommen, war dieser Duft noch viel stärker und intensiver. Er kam vom Tisch - ohne lange zu überlegen stellte ich mich auf die Hinterbeine, die Vorderpfoten auf den Tisch und schnappte mir ein dunkles, langes schwarzes Etwas - da kam der Duft her. Ich verkroch mich mit diesem Ding in meinen Korb, legte mich darauf und genoß dieses wundervolle Gefühl.
Eigentlich hatte ich ja auch ein schlechtes Gewissen, denn alle Tische sind tabu, aber es war mir dieses Mal egal. Die Futtersacköffnerin hat natürlich ziemlich schnell spitz bekommen, wo dieses duftende schwarze Ding geblieben war. Aber sie hat überhaupt nicht geschimpft, sondern gelächelt und gemeint, nun wisse sie endlich welcher Duft mir gut tut. Ich durfte das schwarze Etwas behalten und hab auch darauf rumgekaut - geschmeckt hat es aber nicht so gut, wie es gerochen hat.
Seit diesem Tag roch es oft so gut im Haus - nach Vanille hat die Zweibeinerin gesagt. Ich hab mich langsam besser gefühlt dadurch und nach fast einem dreiviertel Jahr hab ich das erste Mal zugelassen, das DER Zweibeiner mich streichelt. Also - nun wißt Ihr, warum ich Vanille so liebe. Sie tut mir einfach immer noch gut, denn diese Geschichte ist fast 8 Jahre her.
Ich verrate Euch jetzt meine Lieblingsöle - dazu gehört die Vanilla planifolia, Styrax benzoe, Rosa damascena oder Rosa alba und Citrus aurantium ssp aurantium (Blüte) und Citrus sinensis. Ihr merkt schon - ich komme aus einem "Aromahaushalt" - ich kenn mich aus ;))))

 

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